Troy Davis: Hinrichtung eines Unschuldigen?

Der Fall von Troy Davis sorgt weltweit für Aufsehen und massenweise Proteste. In der Nacht zum Donnertag (01:00 Uhr MEZ) soll der als Polizistenmörder zum Tode verurteilte Inhaftierte in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Georgia hingerichtet werden. Seine Verurteilung gilt als eine der umstrittensten und mysteriösesten der gesamten US-Justizgeschichte. Obwohl mittlerweile sieben von neun damaligen Zeugen ihre Aussagen widerrufen haben und kein einziger Beweis, nicht einmal ein Indiz darauf hinweisen, dass Troy Davis die Tat überhaupt begangen hat, wird der 42-Jährige in der kommenden Nacht wahrscheinlich durch die Giftspritze sterben. Nicht nur ewige Verfechter der Todesstrafe – auch politische Größen wie Ex-Präsident Jimmy Carter, die EU und sogar Papst Benedikt XVI. appelierten an den Gouverneur von Georgia, das Todesurteil gegen Davis aufzuheben.

Bislang vergebens, unter der Woche wurde auch die letzte Berufung von Davis’ Anwälten abgelehnt, die bis zuletzt darauf drängten, das Verfahren neu aufzurollen. Der Vorwurf gegen den Verurteilten wiegt in der Tat schwer: Im Jahr 1989 soll Troy Davis im Zuge eines Handgemenges inmitten einer Menschentraube einen Schuss abgegeben und dadurch einen Polizisten tödlich verletzt haben. Die Tatwaffe wurde jedoch nie gefunden, die Verurteilung stützte sich einzig und allein auf Zeugenaussagen. Sieben dieser Zeugen sagten jedoch nachträglich aus, bei den Befragungen zu sehr unter Druck gesetzt worden zu sein. Trotz dieser zurückgezogenen Aussagen bestätigte der Oberste Gerichtshof in den USA im August 2010 das Todesurteil gegen Troy Davis.

Troy Davis: Ein letztes Fünkchen Hoffnung?

Bereits drei Mal wurde die Hinrichtung von Davis schon verschoben, ein viertes wird es wohl nicht geben. Nur ein Mann kann das Todesurteil durch die Giftspritze noch verhindern: Der Gouverneur von Georgia, Nathan Deal. Zahllose Medien – auch in Deutschland (u. a. Spiegel Online) – riefen im Laufe des Mittwochs noch dazu aus, den Gouverneur direkt zu kontaktieren und um ein Gnadengesuch zu bitten. Die vielen Aufrufe brachten die offizielle Website des Gouverneurs phasenweise zum Erliegen.

Ob es geholfen hat, bleibt aber fraglich. Nach aktuellem Informationen soll die Hinrichtung von Troy Davis wie geplant am frühen Donnerstagmorgen (nach unserer Zeitrechnung) stattfinden. US-Präsident Barack Obama ergriff im Übrigen keinerlei Partei in der Debatte – der Grund: Die Todesstrafe ist bei US-Wählern trotz alledem immer noch enorm beliebt, das zeigten zuletzt auch die Auftritt von potenziellen Präsidentschaftskandidaten wie dem Republikaner Rick Perry.

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