RTL und der gamescom-Skandal: Fade Ausflüchte – Wir vergessen nie!

Mit seinem gamescom-Beitrag vom letzten Freitag scheint sich RTL gewaltig in die Bredouille manövriert zu haben – und ist nun auf Schadensbegrenzung aus. Nach einer Endlos-Protestwelle, die der Sender so in der Form wohl noch nie erlebt haben dürfte, ruderte RTL am Donnerstag zurück. Auf der Homepage (immerhin: mit dem dazugehörigen Video) ist eine kurze und knappe Entschuldigung zu lesen. Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags sei ein Fehler gewesen, heißt es dort. “Wenn wir damit Gefühle verletzt haben sollten, entschuldigen wir uns ausdrücklich dafür. Der bei facebook privat gepostete Kommentar des RTL-Redakteurs war ausschließlich dessen private Meinung und in keinster Weise die von RTL.” – gemeint ist Tim Kickbusch, der die ganze Sache verzapft hat. Dieser hatte sich nach dem losgetretenen “Shitstorm” auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet und gemeint, ihn würden die Reaktionen der Gamer nicht stören, weil der gamescom-Beitrag ja offensichtlich nicht ganz ernst gemeint gewesen sei. Der darauffolgende Satz brachte das Fass schließlich ganz zum Überlaufen.

“Die Reaktionen der Daddler bestärken mich allerdings eher in der Vermutung, dass zu viel Computerspielen keinen förderlichen Effekt auf Sprachverständnis u. ä. hat”, wird Kickbusch weiter u. a. auf OnlineWelten.com zitiert. Der Kommentar wurde wohl im Zuge einer heftigen Debatte auf der Facebook-Seite des RTL-Redakteurs gepostet, ist mittlerweile aber entfernt worden.

gamescom-Eklat: RTL und die Selbstüberschätzung

Stattdessen war dort heute eine mehr als fadenscheinig wirkende Entschuldigung für den TV-Beitrag zu lesen, wobei diese so wirkt, als sei sie von RTL instruiert worden. Seine Meinung über Gamer wie uns hatte Kickbusch schon vor dem gamescom-Eklat mehr als deutlich gemacht: “Ich glaube, die ganzen Daddel-Freaks bei der Gamescom sind direkt aus Wacken hierher gereist. Die sehen so aus. Und riechen so.” – mit diesem Statement dürfte er sich auch keine Freunde in der ebenfalls nicht rarr besetzten Metal-Szene gemacht haben.

Wie sehr RTL scheinbar seine eigene Zielgruppe unterschätzt hat, zeigt der immer noch anhaltende Proteststurm der Gamer, der uns – und vor allem mir als PS3-Daddler – in der Redaktion auch ein breites Lächeln auf die Lippen zaubert. Bis zum heutigen Vormittag seien laut W&V über 7.000 Beschwerden auf Programmbeschwerde.de (die Seite ist zur Stunde wegen zu vieler User-Zugriffe down!) eingegangen. Das zeigt auch, wie sehr ein Sender wie RTL seine selbst auferlegte, öffentliche Rolle als Meinungsbildner fehleinschätzt: Dasss irgendwann die Retourkutsche für das Malen von Schwarz-Weiß-Theorien – und diese dann auch noch so darzustellen, als stünden sie für die breite Meinung des Volks – kommen würde, schien nur eine Frage der Zeit. Dass es nun RTL traf, ist wohl Zufall – dafür könnte das Echo umso verheerendere Folgen für den Sender haben.

“RTL, erwarte uns!”

Ein YouTube-Video mit einer Ankündigung des weltbekannten Hacker-Kollektivs “Anonymous” macht derzeit im Web die Runde. Darin droht eine Stimme mit Konsequenzen und ruft öffentlich zum RTL-Boykott auf  – “RTL, erwarte uns!” heißt es dort zum Schluss. Die Echtheit des Videos ist momentan aber noch äußerst fraglich. Nach übereinstimmenden Berichten auf Gaming-Seiten seien im Verlauf dieses Tages einzelne RTL-Communities  jedoch schon Ziel von Hacker-Angriffen geworden sein. Unterdessen veröffentlichte auch gamona.de ein Video mit einem Interview der Messe-Hostess Laura Da Silva, das ein Redakteur unabhängig von dem RTL-Beitrag auf der gamescom geführt hat. Darin wird die Rolle der Studentin als Spielball von RTL noch einmal besonders deutlich.

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