RTL beleidigt Gamer: gamescom 2011 – RTL’sches Schubladendenken

Da fielen mir – als alt eingestandenem PS3′ler – glatt die Augen raus! Der RTL-Bericht zur gamescom 2011 in Köln (in “Explosiv” vom 19. August 2011) stellt Gamer hierzulande buchstäblich bloß – als müde belächelt, heruntergekommene Versager und Außenseiter der Gesellschaft werden wir darin dargestellt. Die blanke Ironie in der Stimme des Sprechers setzt dem Beitrag – wahrscheinlich anders als ursprünglich angedacht – dabei noch das i-Tüpfelchen auf. Am Anfang denkt man sich als Zuschauer noch: “Okay, ist ja alles nicht so schlimm – halt unglücklich aufgezogen das Ganze!” Doch mit immer mehr voranschreitender Länge verliert sich der Beitrag in stupidem Schubladendenken. Am Ende werden sogar noch einzelne Leute herausgepickt und vor der Kamera zur Schau gestellt.

Der Schuss ging nach hinten los! Vielleicht hätten sich die Verfasser des Berichts etwas mehr Zeit nehmen sollen. Schon das Intro von Moderatorin Nazan Eckes scheint unglücklich. “Wir wissen zwar, dass es auf der gamescom in Köln, der größten europäischen Spielemesse, um virtuelle Welten geht, trotzdem laufen da teilweise echt komische Gestalten herum”, sagt sie. Doch okay, darbüber können hartgesottene Gamer hinwegsehen. Nicht aber über die wirklich sehr eingleisige Kategorisierung, die RTL dann in seinem gamescom-Beitrag vornimmt. O-Ton: Leute, die am Rechner oder vor der Konsole sitzen, sind ungepflegt, introvertiert und haben keine Freundin.

RTL und seine Meinung über Gamer

Zur Krönung lässt der Sender noch eine hübsche gamescom-Hostessin einige Männer herauspicken, die symbolisch für das RTL’sche Schubladendenken stehen sollen. Wer wenigstens einmal in seinem Leben ein Gamepad in der Hand hatte, sieht sofort, dass sich die Redakteure nicht wirklich in das Thema hineingearbeitet haben. Ganz nach dem Motto: “gamescom? Darüber müssen wir berichten, ist ja direkt um die Ecke – da machen wir uns mal ordentlich über die Daddler lustig. Die Alten wird’s freuen!”

Dumm nur, dass die verunglimplichte Zielgruppe in dem Beitrag selbst so ganz und gar nicht “amused” war – die Message von RTL sprach sich in einschlägigen Gaming-Foren schnell rum, unzählige Videos fanden den Weg zu YouTube. Wer den RTL-Bericht zur gamescom 2011 bis dahin noch nicht gesehen hatte (und das waren wahrscheinlich nicht Wenige) – jetzt kennt ihn die ganze Gaming-Community, auch ein nicht unwesentlicher Teil der täglich reinzappenden Fernsehzuschauer. Um RTL wird dieser zumindest vorerst wohl einen großen Bogen machen. Der gamescom-Bericht ist mittlerweile auch auf dem besten Wege dahin, zum Trendthema bei Twitter zu werden. RTL schien daraufhin zu reagieren, nach und nach verschwanden alle TV-Aufzeichnungen bei YouTube – zu spät! Wir sagen: “Vielen Dank – und wir schalten dann höchstens mal wieder beim nächsten Klitschko-Kampf rein!”

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