Kino.to – Shutdown von bekanntem Live-Stream-Portal

Foto: pixelio.de / Thorben Wengert
Foto: pixelio.de / Thorben Wengert

Rund vier Millionen User-Zugriffe soll es täglich gegeben haben – Filme und Serien (darunter oft auch brandaktuelle aus Kino und Fernsehen) aus einem schier endlosen Archiv standen für Nutzer kostenlos zum “Streamen” parat. Damit ist nun erst einmal Schluss: Das wohl größte und bekannteste Live-Stream-Portal kino.to wurde nach einer Großrazzia am Mittwoch aus dem Netz verbannt. Auf Grund eines Strafantrags der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) durchsuchten 250 Polizisten, Steuerfahnder und Datenspezialisten am Mittwoch über 20 Wohnungen sowie Geschäftsräume und Serverlagerplätze in Zwickau, Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Nürnberg und München, woraufhin 13 Betreiber vorübergehend in Haft genommen worden seien.

Nach dem Shutdown des auch hierzulande bekannten Live-Stream-Anbieters ATDHE.net durch die US-Behörden kurz vor dem Super-Bowl-Finale im Februar geht es nun dem Film-Filehoster kino.to an den Kragen. Laut einem Bericht von Zeit Online benannte die Staatsanwaltschalt in Sachsen diesen Anbieter als “das größte deutschsprachige Portal, über das Raubkopien von Spielfilmen und Serien illegal verbreitet werden”. Das Thema Live-Streaming – insbesondere in Bezug auf Filme und Serien – war lange Zeit eine rechtliche Grauzone, bedeutete aber gleichzeitig für die Filmwirtschaft nach GVU-Angaben einen Verlust im siebenstelligen Euro-Bereich.

Der kino.to Shutdown und seine Folgen für Internet-Deutschland

Die Seite war sogar so prominent, dass sie ihren eigenen Wikipedia-Eintrag spendiert bekam. Die Filmindustrie habe den Anbieter kino.to schon länger das Handwerk legen wollen, vorherige Versuche seien jedoch vor allem daran gescheitert, dass die Hauptdomain auf der Südsee-Insel Tonga gehostet wurde – und diese gibt die Daten von Domaininhabern nicht preis. Geschlagen hat sich kino.to nun vermutlich selbst, da laut Medienangaben der große Schlag dadurch gelingen konnte, dass die Betreiber mit den eigens verbreiteten Streams in Verbindung gebracht werden konnten. Was nun hingegen mit den zig Millionen Usern passiert, die das Angebot von kino.to auf ihren Rechnern genutzt haben, darüber ist noch nichts bekannt. Allzu drakonische Strafen dürften Betroffene jedoch nicht zu befürchten haben, da es sich – schon rein am Zeitaufwand gemessen – als schwer erweisen dürfte, halb Internet-Deutschland auf die Finger zu klopfen.

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