Bud-Spencer-Tunnel: Plattfuß in Schwäbisch Gmünd?

Bud Spencer: Die Autobiografie (Quelle: Amazon)
Bud Spencer: Die Autobiografie (Quelle: Amazon)

Das haben sich die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung von Schwäbisch Gmünd ganz sicher anders vorgestellt! Eigentlich eine tolle Idee: Per Internet-Voting wollte man gemeinsam mit den Anwohnern einen Namen für die neue Tunnel-Unterführung an der B-29 finden – dumm nur, dass man auch so lustige Namen wie “Nei-Naus-Tunnel”, “Turbo Tunnel XXL” und eben auch Bud-Spencer-Tunnel zur Wahl zuließ. Sofort machten alteingestandene Fans des Kultschauspielers aus den 70′ern und 80′ern auf Facebook mobil, richteten dort eigens eine “Öffentliche Veranstaltung” ein, auf der sie sich für “Bud-Spencer-Tunnel Schwäbisch Gmünd wählen!” aussprachen – und weit über 20.000 User (Tendenz stark ansteigend) folgten ihrem Ruf.

 

“Mann, mach Sachen!” würden Bud Spencer und Terence Hill diese Aktion wohl kurz und knackig kommentieren. Beide sind immer noch absolut Kult, ihre Filme kennt fast jeder – somit war eigentlich klar, was passieren musste. Binnen weniger Stunden ging der Counter für den Bud-Spencer-Tunnel schlagartig in die Höhe – und so “schöne” Namen wie “Einhorn-Tunnel” oder “Salvator Tunnel”, die der Stadtverwaltung von Schwäbsch Gmünd viel eher gefallen hätten, blieben buchstäblich auf der Strecke. Offizielle Wasserstandsmeldungen wurden zwar noch nicht durchgegeben, aber ein findiger Hacker postete schon einmal die Zwischenergebnisse: Satte 19.473 Votes für “Bud-Spencer-Tunnel”, dahinter mit mageren 295 Stimmen das langweilige Einhorn.

Viel tausend Fäuste für einen Bud-Spencer-Tunnel

Auch die Initiatoren des Online-Votings zweifeln nicht mehr an dem Sieger, also heißt der neue B-29-Tunnel in Schwäbisch Gmünd zukünftig Bud-Spencer-Tunnel, oder doch nicht? Wie Politiker nun einmal sind, drehen sie jedes Wort so zurecht, wie sie es gerne hätten: “Wir wollen keine Promi-Namen vergeben, sondern wollen einen regionalen Bezug im Tunnelnamen”, hieß es nach Bekanntwerden des “Buddy”-Hypes in einem Statement von Pressesprecher Markus Herrmann in der Schwäbischen Post, “Die Umfrage ist für den Tunnelnamen unter den Bürgern nicht entscheidend, sondern dient nur als Basis für die Diskussionen und Entscheidungsfindung.” Aha! Läuft es einmal nicht so wie gewollt, rudert man in Schwäbisch Gmünd anscheinend einfach wieder zurück. Gesagtes war überhaupt nicht so gemeint und sowieso läuft alles anders, wenn ihr nicht macht wie wir wollen.

Dabei wäre alles andere als ein Bud-Spencer-Tunnel nach der gewaltigen medialen Aufmerksamkeit wohl der politische Super-Gau. Der Name wäre auch gar nicht so abwegig: Immerhin soll Bud Spencer (alias Carlo Pedersoli) höchstpersönlich im Rahmen seiner Schwimmkarriere (er meisterte als erster Italienier die 100 Meter unter einer Minute!) bei einem Ländermessen zwischen Deutschland und Italien im Freibad von Schwäbisch Gmünd zugegen und auch siegreich (!) gewesen sein. Warum also kein Bud-Spencer-Tunnel?

“Jedes Mal wenn ich durchfahr’, werd ich ihn Bud-Spencer-Tunnel nennen!”

Das öffentliche Volk hat diesen Namen ohnehin längst für sich adaptiert. “Jedes Mal wenn ich durchfahr’, werd ich ihn Bud-Spencer-Tunnel nennen!” schreibt beispielsweise ein User auf Facebook – “Freu mich schon auf die Spraydosenkunst am Tunneleingangsbogen”, meint ein Anderer in einem Kommentar, falls sich die Stadt gegen diese unkoventionelle Namensgebung sträuben sollte. Entschieden wird nämlich – und das stellte die Stadtverwaltung (im Nachhinein) klar heraus – in einer Gemeinderatssitzung am 27. Juli. Auf Spiegel Online ist schon von einer “Ersatzlösung” die Rede, falls es mit dem Bud-Spencer-Tunnel nicht klappen sollte. Doch die Scharen von Buddy-Fans – und auch die Gmünder – wollen keine Ersatzlösung, wir im Übrigen auch nicht! Statt das Potenzial und die Vorteile dieses genialen Coups zu sehen, reden die Verantwortlichen den Bud-Spencer-Tunnel bereits tot, bevor er überhaupt “geboren” wurde.

Tja, blöd nur, dass gerade Sommerloch ist – und sich große wie kleine Medien auf dieses Thema geradezu hinaufstürzen. Ein Zurück dürfte somit schwierig werden, da bis zum 27. Juli der Buddy-Tunnel auch bundesweit (einmal hin und zurück) die Runde gemacht haben dürfte. Und spätestens, wenn “Plattfuß” persönlich in Schwäbisch Gmünd vorstellig wird, muss die Stadtverwaltung ihre Namensschilder für den “Einhorn”- oder “Salvator Tunnel” wohl oder übel wieder abnehmen. Obwohl sich der mittlerweile stolze 81 Jahre alte Bud Spencer dann wohl fragen dürfte: “Was is mit de Kohlen?”

Und so könnte Buddy mit seinem Kompagnon in Schwäbisch Gmünd vorstellig werden:

 

  • “Bud Spencer Tunnel”?!? Wie Scheiße ist DAS denn?!! :D
    http://misanthrope.blogger.de/stories/1810153/

  • Grover:

    Wow! Das nenne ich mal eine radikale Meinung zu “unserem” Buddy! :D Aber mal im Ernst: Gerade weil die Prügelszenen so dermaßen übertrieben und fern jeder Realität sind, kommen sie so gut an (denken wir nur mal an die berühmte Buddy-Schelle mit der Faust uffn Kopp). Und oft kommen die vermöbelten Schurken völlig demoliert zurück zu ihrem Boss und jammern, also Folgeschäden sind sehr wohl zu sehen. ;) Dass Bud Spencer für die Berlusconi-Partei kandidiert hat, ist sicherlich nur den Wenigsten bekannt und auch nicht schönzureden. Seine filmischen Leistungen schmälert das in meinen Augen allerdings überhaupt nicht. Bud Spencer und Terence Hill sind und bleiben Kult (auch weil sie mich durch ein Stück Kindheit getragen haben). Deshalb: Pro Bud-Spencer-Tunnel!

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